„In ihrem Zustand braucht sie keine Erbschaft!“, lachte ihr Mann im Gerichtssaal. Doch sobald Maria dem Richter den Zettel überreichte, herrschte absolute Stille im Saal.

„Mama, Papa, das ist Maria“, verkündete Artur strahlend und legte seinen Arm um sie.

„Hallo“, sagte Maria leise, wie eine Schülerin vor einer Prüfung.

„Maria“, sagte Sergei gedehnt und berührte ihre Finger kaum mit seiner kalten, fischartigen Hand. „Arthur hat uns viel über dich erzählt. Ich glaube, du kannst zeichnen.“

„Ja, ich bin Künstlerin und Illustratorin. Das liegt in der Familie. Mein Vater ist auch Künstler.“

„Hmm, ein Künstler“, sagte Sergei, und sein Tonfall verriet die Idee der Schmetterlingszucht. „Was für ein unsicherer Beruf.“

Irina lächelte etwas breiter, doch ihr Blick blieb kalt. „Arthur hatte schon immer einen Hang zum Bohemien-Leben. Bitte kommen Sie an den Tisch. Das Essen wird kalt.“

Das Gespräch war eine Qual. Sergei löcherte sie mit Fragen über ihre Eltern, ihre Ausbildung und ihre Zukunftspläne. Irina kommentierte scharf die moderne Moral und die Bedeutung eines stabilen Familienlebens für einen Mann. „Familie ist nicht nur eine Frage der Gefühle, Liebes“, wiederholte sie. „Es ist ein Projekt, eine Investition. Eine Frau sollte ihren Mann unterstützen, ihm Sicherheit geben und nicht einfach mit Fotos davonfahren.“

„Mama, Maria ist sehr talentiert“, versuchte Artur einzuwerfen. „Ihre Bücher werden in großen Auflagen gedruckt.“

„Talent ist gut“, fuhr Irina unbeirrt fort. „Aber eine gute Suppe ist wichtiger. Können Sie Suppe kochen?“

Maria überkam ein Gefühl der Scham. „Ja, ich kann.“

„Toll. Wenigstens ist da etwas Praktisches dabei.“

Nach dem Abendessen nahm Sergei seinen Sohn mit ins Büro, um geschäftliche Angelegenheiten zu besprechen, und ließ Maria allein mit seiner zukünftigen Schwiegermutter zurück. „Du verstehst, Maria, unser Arthur ist ein Junge mit einer vielversprechenden Zukunft“, begann Irina und betrachtete ihre perfekt manikürten Nägel. „Er braucht eine würdige Partnerin. Eine Frau, die seinem Stand entspricht und ihm gesunde Erben schenken kann. Bist du gesund? Gab es in deiner Familie irgendwelche … schlimmen Krankheiten?“

Maria war von seiner Direktheit verblüfft. „Ich bin kerngesund.“

„Sehr gut. Denn Artur braucht eine starke Familie. Er arbeitet so hart und investiert so viel Energie in seine Karriere. Seien Sie also versichert, Artur verdient das Beste.“

Als sie schließlich gegangen waren, schwieg Maria lange. „Siehst du? Ich hab’s dir doch gesagt, es ist ganz einfach“, sagte Arthur.

Auf der Heimfahrt an jenem schicksalhaften Abend war sie völlig erschöpft. Leichter, sanfter Regen fiel. Die Scheibenwischer glitten langsam über die Windschutzscheibe. In Gedanken versunken, bemerkte sie nicht, wie ein Reh plötzlich auf die Straße huschte. Das Tier, vom Scheinwerferlicht erschrocken, erstarrte. Maria lenkte instinktiv aus, aber zu abrupt. Der Wagen geriet auf dem nassen Asphalt ins Schleudern. Ein Moment der Schwerelosigkeit, das Schleifen von Metall, das Klirren von zersplitterndem Glas. Ihre Welt stand Kopf. Der Aufprall, und dann eine dichte, hallende Stille.

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